VG – Archiv 2008

Einwohner Statistik 2008

Nachfolgend eine Grafik mit der Einwohner Statistik von Lüdenhausen vom Jahr 1969 bis zum Jahr 2008 :

Zeitungsbericht über Lüdenhausener Drehorgelspieler

„Andere zu beschenken, macht reich“

Drehorgelspieler Rüdiger Tenge sammelt seit Jahr und Tag auf Kläschen Spenden für Eben-Ezer

Von Judith Stracke Lemgo. Noch sitzt Rüdiger Tenge in der Küche. Von seinem Gesicht hinter dem weißen Rauschebart ist nicht viel zu sehen, außer den blauen, strahlenden Augen, die Wärme und Güte verraten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich trinke gerade Kaffee mit dem Weihnachtsmann. Gleich wird er die Rentiere satteln. Aber ich weiß es natürlich besser. Rüdiger Tenge fährt Polo. Der Bart ist zwar echt, aber nicht immer so lang. Die letzten sechs Zentimeter züchtet sich der gelernte Gärtner einzig und allein für seine Rolle als Weihnachtsmann zu „Kläschen“ heran. Denn dann bricht der 62-Jährige mit seiner geliebten Drehorgel auf, um vor der Parfümerie Douglas die Kurbel zu betätigen. Für eine gute Sache: Der „Spielemann“ sammelt Spenden für die Stiftung Eben-Ezer, deren „Leben in Vielfalt“ er seit 19 Jahren mit gestaltet und prägt. Rüdiger Tenge steht auf und geht in sein Arbeitszimmer, um mit lächelndem Blick zu verkünden: „Das ist mein Highlightgerät. Es kostet so viel wie ein gutes Auto.“ Für den aus dem Ruhrpott stammenden Familienvater ist seine Drehorgel Erfüllung eines Kindheitstraums. „Als ich ein kleiner Junge war, gab es noch nicht so viel. Die Drehorgel gehörte zum Stadtbild genauso wie die Menschen, die dem Spieler zur Anerkennung ihre kleine Geldgabe, in Zeitungspapier gewickelt, auf die Straße warfen.“ Für den Jungen aus Herne stand fest „Wenn Du groß bist, wirst du Drehorgelmann.“ An der Tür des Arbeitszimmers hängt der rote Samtmantel in XXL. Auf dem Tisch liegen Handschuhe, Hose und Mütze. Daneben stehen die frisch geputzten Feuerwehrstiefel. „Das Kostüm habe ich vor vier Jahren genäht.“ Es ist so perfekt, dass nicht nur die Kinder auf ihn „reinfallen“. „Letztes Jahr hörte ich eine Mutter zu ihrem Sohn sagen: ,Du musst dem Nikolaus mal kräftig am Bart ziehen. Der ist eh nicht echt.'“ Als der „Knirps“ zog, atmete Rüdiger Tenge vor Schmerz tief durch, bevor er mit seiner wohlwollenden Stimme erwiderte: „Das tut weh. Sag deiner Mama mal, ich ziehe ihr auch nicht an den Haaren.“ Zurück in der Küche: Von Knecht Ruprecht und seiner Rute hält der Lipper (nach 40 Jahren in der Region fühlt er sich so gut wie eingebürgert) gar nichts: „Damit habe ich als Kind schlechte Erfahrungen gesammelt.“ Er zückt seine Mundharmonika und spielt ein Lied. Nach dem letzten Ton meint er fast entschuldigend: „Das ist mein Lieblingsstück ,Glück auf‘, weil ich aus dem Ruhrpott bin.“ Und dann greift auch noch die Frau vom Weihnachtsmann ins Geschehen ein: „Das mit der Mundharmonika macht mein Mann, wenn es ihm in den Kopf kommt.“ Und Renate Tenge, 54 Jahre jung, fügt hinzu: „Am Anfang habe ich das Engagement mit der Drehorgel belächelt. Inzwischen finde ich es toll.“ Ich weiß nach ein paar Kaffee und belegten Brötchen, wovon sie spricht. Der Mann ist authentisch und so was von herzlich und liebenswert. Mit der Laufzeit seiner Orgel von rund 12 Stunden, was mehr als 500 Lieder vom Volkslied bis zum Weihnachtslied auf seinem elektronisch aufgerüstetem „Schätzchen“ ausmacht, sind seine Kapazitäten nicht erschöpft. Vor fünf Jahren streckte ihn eine Virusinfektion nieder. Die Ärzte sahen ihn im Rollstuhl, er selbst trainierte heimlich mit einem „Gehfrei“. Und auch als er sich im vergangenen Jahr ein Bein brach, stand der Weihnachtsmann an seinem Platz. „Mein Dankeschön sind leuchtende Kinderaugen“, erklärt er. In seiner Paraderolle als orgelnder Weihnachtsmann will er zu einem Stück glücklicher Kindheit beitragen, das er selbst nicht erleben durfte. „Ich bin im Heim groß geworden, mir ist viel Schlimmes widerfahren.“ Dann bricht er auf. Mit seiner Drehorgel, die so schwer ist, dass er sie nur mit fremder Hilfe in seinen Polo hieven kann. Und mit einem Herzen, das gefüllt ist wie das Wageninnere mit seinem Traum aus Kindertagen. Er verabschiedet sich: „Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden“. Und schon rauscht er davon.

(Bericht aus der Lippischen Landeszeitung vom 06.12.2008)

9. Weihnachtsmarkt 2008 in Lüdenhausen

Der 9. Weihnachtsmarkt fand am 22.11.2008 in der Dorfmitte rund um das Feuerwehrhaus und in der Schloßstrasse statt.
Viele Besucher folgten der Einladung der Vereinsgemeinschaft Lüdenhausen.

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