Schwarzmeer-Kosaken Auftritt in Lüdenhausen

Kalletaler singt solo bei Orloff-Konzert

Auftritt: Friedhelm Schmieding holt die Schwarzmeer-Kosaken nach Lüdenhausen.

Der 74-Jährige kennt den Chef der Gruppe mit Lemgoer Wurzeln seit Jahren

Kalletal-Lüdenhausen (wd). „Zwischen Kirchen und Kneipe spielt das Leben sich ab. Weil die zwei uns begleiten von der Wiege bis ins Grab“: So lauten einige Zeilen aus einem Lied von Peter Orloff. Nicht in der Kneipe, sondern in der Lüdenhauser Kirche hat der Schwarzmeer-Kosaken-Chor sein 80-jähriges Bestehen gefeiert. Dass das renommierte Ensemble unter der Leitung von Peter Orloff in dem Dorf auftrat, war Friedhelm Schmieding aus Lüdenhausen zu verdanken.

Schmieding und den in Lemgo geborenen Orloff verbindet eine langjährige Freundschaft. Kennengelernt haben sie sich Ende der 1970er Jahre im dortigen Straßenverkehrsamt, wo Schmieding arbeitete. Er erkannte den Sänger sofort, war er doch begeisterter Fan des Schlagerstars. „Orloff suchte aber das Ausländeramt. Da habe ich ihm gesagt: Wenn er mir ein Autogramm gibt, dann bringe ich ihn dorthin. Von da an kam er zum Auto-Anmelden immer zu mir. Orloff wollte immer seine Initialen P und O im Kennzeichen haben“, erinnert Schmieding sich. Nach und nach freundeten sich beide an und hielten stets Kontakt.

„Vor etwa zehn Jahren trat Peter Orloff in der Lipperlandhalle mit dem Polizeichor Detmold auf, in dem ich selbst als Sänger aktiv bin“, erzählt Schmieding. Aus alter Freundschaft bat Orloff ihn, gemeinsam vor 3000 Zuschauern ein Lied zu singen. Das war einer der größten Augenblicke in Schmiedings Sängerleben. „Bei einem unserer privaten Treffen habe ich ihn gefragt, ob es möglich wäre, dass er mit seinem Chor einmal in der Lüdenhauser Kirche auftritt“, freut sich Schmieding noch immer über den gelungen Coup. Angesichts des Konzerts eines so herausragenden Ensembles war es nicht verwunderlich, dass das Gotteshaus in Lüdenhausen mit mehr als 200 Besuchern völlig gefüllt war.

Emotionaler Höhepunkt des Abends war der Soloauftritt von Schmieding. Am Klavier begleitet von Irina Stein, der neuen Chorleiterin des Polizeichors Detmold, sang er noch einmal das Stück „Zwischen Kirche und Kneipe“. Es war nicht nur der klare, feste Gesang des 74-Jährigen, sondern auch die ausladenden Handbewegungen und dramatischen Blicke gen Himmel verliehen dem Lied die Tiefe. So brandete begeisterter Applaus auf, der selbst Orloff erstaunte. „Das ist mal ein Prophet, der auch im eignen Land was gilt“, lobte er Schmieding.

Doch auch der Kosaken-Chor stellte seinen guten Ruf unter Beweis. Neun Sänger und drei Instrumentalisten trugen Klassiker aus Russland und der Ukraine vor. Ob das „Wolgalied“, „Dr. Schiwago“ oder der „Gefangenenchor“ aus Nabucco, die gewaltigen Stimmen machten jedes Lied zu einem Erlebnis. Sowohl extrem hohe Stimmlagen als auch tiefe Basstöne – die Kehlkopfakrobaten präsentierten die Bandbreite ihres Könnens. Bei dem ergreifend gesungenen „Vater unser“ erhoben sich die Zuschauer wie zu einem Gebet von ihren Plätzen. Und erst nach mehreren Zugaben wurden die Sänger von der Bühne gelassen. Mit Applaus, im Stehen gespendet, bedankte sich das Publikum für ein rund zweistündiges Hörerlebnis.

© 2017 Lippische Landes-Zeitung, Mittwoch 13. September 2017

 

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